Verteidigungsminister Ehud Barak ordnete gestern die Musterung von Ultra-Orthodoxen Männern an, nachdem das umstrittene Tal-Gesetz gestern auslief. Die Haredi Gemeinde reagierte mit Entrüstung und Drohungen sich zu widersetzen.

Am Dienstag kündigte Ministerpräsident Benjamin Netanyahu das Auslaufen des Gestzes an und dass das Militar mit dem Einzug der ultraorthodoxen Männer im wehrfähigen Alter beginnen würde. Netanyahu sagte darüberhinaus, dass das Militär darüber entscheiden würde, wieviele Männer eingezogen werden müssen

Das kontroverse Tal-Gesetz befreite seit der Staatsgründung im Jahre 1948 Ultraorthodoxe vom Militärdienst. Handelte es sich damals um eine kleine Gruppe von mehreren hundert Männern, betrifft dies heute fast 60.000 Männer jährlich. Sekuläre Israelis fordern schon seit längerem eine Aufhebung des Gesetzes. Die ultraorthodoxe Bevölkerungsschicht solle ihren Teil zur Gesellschaft beitragen. Die Mehrheit der Ultraorthodoxen selbst, verweigert den Wehrdienst, da sie eine Assimilation fürchten, die für die Haredi Gemeinschaft eine Bedrohung ihrer Lebensweise darstelle. Erst wenn das Militär eine Umgebung schafft in denen ultraorthodoxe Männer von äußeren, sekulären Einflüssen bewahrt wären, könne dies diskutiert werden.

Das Tal-Gesetz sollte im Juni diesen Jahres durch die Plesner Kommission überarbeitet werden, jedoch scheiterten die Gespräche an der Tatsache, dass die festgelegten Strafen nur für den Haredi-Teil der Bevölkerung und nicht für die arabischen Israelis gelten würden. Dort liegt die Rate der Wehrdienstleistenden ebenfalls auf einem sehr niedrigen Niveau.

Die Entrüstung über das Tal-Gesetz seitens der sekulären Israelis hat sich in den letzten Jahrzehnten verstärkt und äußert sich immer häufiger in Demonstrationen und Aktionen um auf die Situation aufmerksam zu machen. Zu Beginn des Jahres, kam es zu einer Demonstration, die als "Narren-Protest" bekannt wurde. Bei dieser Aktion versammelten sich sekuläre Israelis vor der Knesset und forderten eine Ende der Schonung der Haredi Gemeinschaft. Die Teilnehmer haben mittlerweile ein Bündnis mit anderen Gruppen gebildet. Gestern teilten Mitglieder des Bündnisses Flyer in Bnei Brak aus und konfrontierten junge Männer mit der Forderung ihren Wehrdienst zu leisten.

Als Reaktion darauf, ließ man aus ultraorthodoxen Kreisen verlauten, dass man sich den Versuchen der Vollstreckung widersetzen würde. Shmuel Poppenheim, ein radikaler Aktivist aus dem Haredi Umfeld, sprach gar von einem Krieg, den man den Ultraorthodoxen erklärt habe und dass alle Yeshiva Studenten lieber ins Gefängnis gehen würden, als sich zu fügen. Die religiösen Führer der Gemeinschaft ließen darüberhinaus verkünden, dass das Militär überhaupt nicht auf die Aufnahme der ultraorthodoxen Männer vorbereitet wäre. Stimmen darüber wurden auch innerhalb des Militärs vernommen.